Musiktipp: Lara Maria Gräfen

Prunk und Tristesse

Make chanson cool again! Wir haben nach einiger Zeit mal wieder einen Musiktipp, den wir Euch nicht vorenthalten wollen. Die Wahl-Berlinerin Lara Maria Gräfen hat nicht nur einen klangvollen Namen – ihre zweite EP “Prunk und Tristesse” klingt auch nach ganz schön viel! Zwischen Indie und dem etwas angestaubten, aber nicht minder aufregenden Genre des Chansons, hat die 26-jährige ausdrucksstarke, authentische Songs geschrieben, die manchmal verträumt, aber immer unerschrocken klingen.

Die ehemalige Modebloggerin und heutige Social-Media-Managerin zeigt ziemlich eindrucksvoll, dass es nie zu spät ist, nochmal etwas anderes zu tun und seinen Traum zu leben. Mit ihrem eigenwilligen Stil belebt sie nicht zuletzt die deutsche Musiklandschaft, gerade weil sie dann doch ein wenig “anders” ist. Finden wir richtig cool und haben Lara Maria mit ein paar Fragen gelöchert. Aber lest und vor allem hört selbst!

Die Nacht umhüllt uns, ich lieg wieder bei Dir. Wie der Tag will ich fortgehn, wie die Nacht bleib ich hier.

Lara Maria, Du hast einen sehr klangvollen Namen. Bevor wir loslegen, vielleicht erst einmal kurz die Frage: Wie wirst Du am Liebsten angesprochen?

Die Meisten nennen mich nur Lara, es gibt allerdings ein paar Freunde, die sich die Zeit nehmen, mich mit meinem kompletten Namen anzusprechen. 😉

Du hast vor kurzem Deine zweite EP „Prunk und Tristesse“ veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?

Ich bin sehr erleichtert. Krankheitsbedingt hat sich alles sehr in die Länge gezogen, was ab einem gewissen Punkt belastend werden kann, weil man die Lieder ja endlich loslassen will und ein neues Kapitel beginnen möchte. Aber ja, ich bin sehr froh und finde die neue EP wirklich sehr sehr geil.

Du bist großer David Bowie Fan und trotzdem klingt Deine Musik so ganz anders. Wie kamst Du zum Chanson?

Als großer David Bowie Fan würde ich mich nicht bezeichnen. Ich liebe seine Ästhetik und seine vielen Facetten, aber musikalisch geht mein Geschmack doch eher in eine andere Richtung… Ich war schon immer ein großer Max Raabe Fan und bin wahrscheinlich über ihn an den Chanson gekommen. Jedoch ist dies nur eine kleine Inspiration meiner Musik, meine Einflüsse sind zum größten Teil dann doch moderner.

Deine Musik befindet sich zwischen Chanson und Indie, Du arbeitest als Social Media Managerin, machst aber gleichzeitig Musik, trägst Gucci-Kleidchen und stehst auf Rock’n’Roll. Gegensätze scheinen Dich also zu reizen. Woher kommt das und was macht die Kontroverse für Dich so spannend?

Manchmal liebe ich diese Gegensätze an mir und finde sie spannend und manchmal habe ich das Gefühl, sie zerreissen mich. Ich war einfach schon immer an vielen Dingen interessiert und als roter Faden ziehen sich durch all diese Bereiche die Ästhetik und Emotionen.

Du selbst hast Dich einmal als strong mit einem Hauch Rock’n’Roll, feminin mit männlichen Attributen, elegant, aber trotzdem jeder Zeit bereit, durch Feld und Wiesen zu jagen, beschrieben. Was inspiriert Dich?

Für meine Musik inspiriert mich das Leben – Dinge die ich erlebt habe, Filme, Mode und vor allem Reisen. Dieses Jahr war ich drei Wochen in Los Angeles und habe mich so gefühlt, als würde ich direkt an der Inspirationsquelle sitzen.

In Deinem Song „Neue Boheme“ analysierst Du sehr treffend unsere Generation. Brauchen wir mehr Anarchie? Müssen wir mutiger sein?

Ich denke, uns geht es hier in Deutschland so gut wie in kaum einem anderen Land und es gibt wenige Ausreden, seine Träume nicht zu erfüllen und sein Leben so zu leben, wie man es möchte. Auch in der Musik gibt es nur wenige wirklich spannende Charaktere und gerade da sollte man doch eine gewisse Haltung zeigen. Ich würde mir mehr Individualität wünschen und dazu braucht es wahrscheinlich auch Mut.

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Wie sieht denn eine Welt aus, in der Lara Maria Gräfen gerne leben würde?

Auf mein persönliches Leben gesehen, könnte ich mir nicht wirklich mehr wünschen. Ich finde meine Freunde, meine Familie, Berlin großartig! Auf die ganze Welt betrachtet, sieht es natürlich anders aus – mit Trump angefangen. Ein Schock den ich immer noch nicht ganz verdaut habe.

Gibt es einen Song auf der EP, der Dir besonders am Herzen liegt und warum?

Übrig bleiben ist ein sehr persönliches Lied. Es geht darum, in einer Beziehung zu stecken, in der man nicht man selbst sein kann und all seine Vorstellungen vom Leben, seine Moral und eigene Werte über Bord wirft – nur weil man diesen Menschen so liebt. Und am Ende hat man sich aufgelöst. Und mit einem die Beziehung. Es wird immer gesagt, dass man in einer Beziehung Kompromisse eingehen muss, aber zu weit sollte man damit auch nicht gehen.

Wie ist Dein aktuelles Album entstanden? Hast Du bestimmte Eindrücke und Erlebnisse verarbeitet? Was hat Dich beeinflusst?

Wie der Name „Prunk und Tristesse“ schon sagt, geht es um die Höhen und Tiefen im Leben. Am einen Tag ist man zu Tode betrübt und am nächsten platzt man vor Selbstbewusstsein. Zwei Seiten die ich sehr stark in mir habe und die sich in den Liedern widerspiegeln.

Deine emotionsgeladenen Texte zeichnen sich durch Schärfe und Ehrlichkeit aus. Wie entwickeln sich Deine Songs literarisch?

Ich habe an beiden EPs sehr eng mit meinem Produzenten Lukas Marx und mit Martin Kloos an den Texten gearbeitet. Am Anfang hat man ein weißes Blatt vor sich liegen und auf ein Mal ist da dieses wunderbare Gesamtkunstwerk entstanden, von dem man nicht so recht weiß, wo es auf einmal her kommt. 😉

Privat beschreibst Du Dich als lebenslustig und optimistisch, Deine Musik klingt eher sentimental. Wie passt das zusammen?

Im Leben passieren einige Dinge, von denen man nicht denkt, dass man sie übersteht und die einen komplett aus der Bahn werfen. Aber wenn man sie überstanden hat, dann ist man für die nächste Situation abgehärteter und weiß gleichzeitig die guten Zeiten und das Leben an sich mehr zu schätzen. Ich habe viel aus solchen Situationen gelernt und bin aufgrund dieser schlimmen Momente wahrscheinlich zu diesem positiven Menschen geworden.

Da wir auch bloggen, wie Du früher, interessiert uns, ob Du – als ehemalige Modebloggerin – Themen hast, die Du gern anders aufbereiten würdest als davon zu singen. Fehlt Dir das Bloggen manchmal?

Mir fehlt vor allem das Ästhetische, eigene Fotos machen, sich mit den schönen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Aber genau das versuche ich natürlich in meinen Videos und auf meinem Instagram weiterhin zu machen.

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Wir danken Dir für das Interview und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg! Wir sind gespannt!

Fotos von Lukas Marx

Zweifeln wir an der Power, dann powern wir nur unsere Zweifel.

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