Im Gespräch mit Raphael von Ecofacture

Werbung: Ökologischer Textildruck aus Leipzig

Wenn ihr die Georg-Schwarz-Straße im Leipziger Westen entlang schlendert, entdeckt ihr bei der Nummer 118 das Atelier von Raphael Rill und Lena Stadler. Die beiden Kreativen kommen ursprünglich nicht aus Leipzig, haben sich aber hier beim Georg-Schwarz-Straßenfest kennengelernt, sich wenig später bei einem Stammtisch erneut getroffen und nun seit einigen Monaten ihre kreative Heimat genau dort gefunden, wo sie sich zum ersten Mal begegnet sind.

Obwohl sie sich die Hausnummer teilen, arbeiten Lena und Raphael an ihren eigenen Projekten. Unter dem Namen „Black To Wild“ ist Lena als Fotografin, Kommunikationsdesignerin und Illustratorin tätig. Raphael dagegen ist ausgebildeter Ergotherapeut, seit zwei Jahren aber mit „Ecofacture“ selbstständig unterwegs. Wie der Name schon ein wenig vermuten lässt, verbirgt sich dahinter ökologischer Textildruck für Firmen oder auch Privatpersonen.

Wir haben die beiden kreativen Köpfe zum Interview getroffen und möchten euch zunächst Raphael und sein Projekt Ecofacture vorstellen. Im Interview verrät er mehr über seine nachhaltige Arbeit, was er an Leipzig liebt und teilt sein größtes Learning als Selbstständiger.

Das Atelier von Ecofacture und Black To Wild

Rapha von Ecofacture und Lena von Black To Wild
Rapha, wer sind deine Kunden?

Meine Kunden kommen aus verschiedenen Bereichen: Firmen, die eigene Firmenshirts haben möchten, Merchandise für Bands, kleine Vereine, aber eben auch Privatpersonen oder Leute, die ein eigenes Label aufbauen wollen. Und mit denen zusammen entwickle ich dann Produkte wie T-Shirts, Bücher oder andere Projekte bis zum fertigen, gedruckten Produkt. Bedruckt kann dabei alles werden, was Textil ist – T-Shirts, Mützen, Pullover, Beutel, Rucksäcke. Also die „normalen“ Druckprodukte. Seit neustem wird aber auch Holz bedruckt, zum Beispiel in Form von Holzbüchern. Genauso habe ich aber auch schon Kaffeesäcke bedruckt, also verschiedenste Dinge.

Ich habe auch schon Kaffeesäcke bedruckt.

Man kann also mit einer konkreten Idee zu dir kommen. Wenn jemandem aber noch die Vorstellung fehlt, unterstützt du dann auch?

Ja, mache ich auch. Ich hatte zum Beispiel einen Kunden, der T-Shirts zum Thema Vögel wollte, weil er Ornithologe war. Er hatte aber so gar keine Idee, wie er es macht. Dann haben wir zusammen verschiedene Dinge ausprobiert und am Ende ein cooles Produkt bekommen. Ich biete auch Siebdruck-Workshops und demnächst auch Workshops mit der Textildruckmaschine an. Ich fahre zu verschiedenen Events, Messen oder Firmen und gebe vor Ort einen Siebdruck-Workshop, wo die Kunden dann zum Beispiel ihre Firmenshirts selbst drucken können.

Ecofacture

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Was war für dich in den letzten Monaten ein Lieblingsprojekt; vielleicht sogar mit einer kleinen Herausforderung?

Das war die Entwicklung der Holzbücher. Ich hatte den Hersteller der Bücher auf einer Messe kennengelernt und ihn gefragt, warum es die Bücher nur ohne Druck gibt. Da meinte er, sie würden sich nicht bedrucken lassen. Daraufhin wollte ich ihm zeigen, dass es nicht so ist. Er hat mir also ein paar Bücher mitgegeben, die ich bedruckt und super Feedback darauf bekommen habe. Das macht mich glücklich.

Wann kam bei dir denn das Interesse an einer kreativen und handwerklichen Tätigkeit auf?

Von meinen Eltern her bin ich eigentlich eher musikalisch geprägt. Ich habe auch sieben Instrumente gespielt, war da aber immer nicht so glücklich. Die richtig kreative Ader habe ich dann eigentlich erst im FSJ entdeckt und dann kam die Ergotherapie-Ausbildung. Da wird einem ja alles beigebracht – Töpfern, Holz bearbeiten, Nähen und alles, was in die verschiedenen Handwerksbereiche geht. Da habe ich dann meine wahre Passion gefunden.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, gute Produkte zu kaufen, sondern die guten Produkte auch lange zu nutzen.

Wenn man Ecofacture hört, kann man erahnen, dass Nachhaltigkeit ein Thema für dich ist. Inwiefern ist das in deiner Arbeit von Bedeutung?

Bei mir kommen alle Farben, Materialien und Textilien aus nachhaltiger Produktion und die Farben sind schadstofffrei. Auf der anderen Seite möchte ich, dass sich der Kunde mit dem fertigen Produkt identifiziert, weil er es in den Workshops selbst macht. Denn Nachhaltigkeit bedeutet ja nicht nur, gute Produkte zu kaufen, sondern die guten Produkte auch lange zu nutzen. Ich bekomme häufig das Feedback: „Das T-Shirt, was ich mir bei dir gemacht habe, trage ich heute noch.“ Das ist wichtig!

Ecofacture
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Du bist kein gebürtiger Leipziger. Was hat dich hierher gebracht?

Ich habe nach dem Abi eine Freundin besucht, die nach Leipzig gegangen ist und fand das Nachtleben und die kulturelle Szene sehr cool. Auch, dass es so grün ist, man überall Parks hat und eigentlich von überall nach überall in 15 Minuten mit dem Fahrrad gefahren ist. Ich habe mir dann gesagt: Ich will hierhin, egal was ich mal mache. Dann bin ich hergezogen, ohne einen Plan zu haben, mittlerweile hat sich alles entwickelt. Ich finde Leipzig immer noch cool, aber ich merke, dass der kulturelle Teil so langsam kaputt geht durch die Gentrifizierung. Einem Kumpel von mir hat das So&So gehört, das ja auch geschlossen wurde, um Platz für Wohnungen zu schaffen. Aber Leipzig ist nun mal sehr schön, hier wollen viele Menschen leben und dafür braucht man nun mal auch mehr Platz.

Vor zwei Jahren hast du dich selbstständig gemacht. Was hast du bisher gelernt?

Ich habe mich ja quasi von einem Tag auf den anderen Tag selbstständig gemacht, mit großem Kredit und allem drum und dran. Da war das erste Learning: Berater und ihre Versprechen für die Zukunft sind schön und gut, aber oft ist es nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Man muss wandelbar bleiben und nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn eine Sache mal nicht so läuft.

Ecofacture
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Wenn man selbstständig ist, ist Netzwerken auch immer ein großes Thema. Hast du Tipps, wie das etwas leichter fällt?

Mein Tipp: Zusammen zu Events gehen. Wenn man mit jemandem unterwegs ist, den man schon kennt, fühlt man sich oft nicht so unwohl. Vor Ort muss man einfach man selbst sein, auch wenn das manchmal gar nicht so einfach ist. Meistens ist es aber so, dass man jemanden trifft, den man schon kennt. Auf diese Weise kann man sich dann immer kleine Orte der Sicherheit schaffen.

Mein Traum ist ein eigener Bus, in dem eine komplette Siebdruck-Werkstatt ist, mit der ich überall hinkommen kann.

Hast du schon Pläne für die Zukunft geschmiedet? Gibt es Ziele oder Projekte, die noch umsetzen möchtest?

In ganz naher Zukunft steht die Fashion Revolution Week an. Da können alle in den HIVE Co-Working Space kommen und bekommen erklärt, wie sie ihr eigenes T-Shirt nähen. Gleichzeitig sprechen wir darüber wie das in der konventionellen Industrie läuft. Die Leute können jeden Arbeitsschritt bei der Entstehung eines T-Shirts selber machen, um zu sehen, was man eigentlich trägt. Mein Traum für die Zukunft ist, irgendwann mal einen eigenen Bus oder kleinen LKW zu haben, wo eine komplette Siebdruck-Werkstatt drin ist, mit der ich einfach an verschiedenen Stellen anhalten kann, Stecker in die Steckdose und dann geht’s los.

Ecofacture

Vielen Dank für das Interview!

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