Eine Zugfahrt mit Claudia Friedrich von der Heldenküche-

Im Gespräch mit Claudia Friedrich von der Heldenküche aus Leipzig

Von der rigorosen Gemüseverweigerin zur Botschafterin der gesunden Ernährung und guten Lebensmittel – meine heutige Interviewpartnerin Claudia Friedrich von der Leipziger Heldenküche hat wirklich einen spannenden Werdegang hinter sich. Als Kind ekelte sie sich vor Tomaten, Äpfeln und Co und heute ist sie die Gründerin des sozialen Unternehmens Heldenküche, mit dem sie nicht nur kreative Caterings anbietet, sondern vor allem auch gemeinsam mit dem unterschiedlichsten Menschen kocht, gesunde Gerichte konzipiert und lokale Produzenten unterstützt.

Direkt nach ihrem Studium an der Uni Chemnitz und Leipzig stürzte sich Claudia in die Selbstständigkeit und möchte die Lust am Kochen in die Welt hinaustragen. Claudias Leidenschaft ist ansteckend und schon nach wenigen Minuten nehme ich mir vor, eine ihrer genussvollen Veranstaltungen zu besuchen. Auf unserer gemeinsamen Zugfahrt verrät mir Claudia ihr absolutes Lieblingsgericht, warum sie gerne Kochvideos schaut und wie sie nach einer Kindheit voller Salamibrote doch noch Spaß an gesunder Ernährung gefunden hat.

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Unterwegs mit Claudia Friedrich von der Heldenküche.

Claudia, was ist das Besondere an der Heldenküche?

Wir von der Heldenküche sehen uns als Botschafterinnen der guten Lebensmittel. Gut bedeutet für uns, dass wir die Produzenten der Lebensmittel möglichst persönlich kennen. Wir legen sehr viel Wert auf den persönlichen Kontakt und falls dieser nicht besteht, achten wir auf die Bio- bzw. Demeter-Zertifizierung. Wir möchten Essen als Kulturgut beleben, uns Zeit nehmen und die Vielfalt feiern.

Hast du schon immer gerne gekocht?

Nein, ich habe was das betrifft eine sehr interessante Entwicklung durchgemacht. Als Kind habe ich gar kein Obst und Gemüse gegessen. Meine Mahlzeiten bestanden aus Schnitzel und Pommes oder Salamischnitte mit Ketchup. Meine Eltern waren schon verzweifelt. Mit 17 war es dann eine Vernunftentscheidung von mir, auch Obst und Gemüse zu essen. Ich habe mir dann ab und zu einen Eisbergsalat mit Joghurtdressing gemacht und nach und nach kam immer mal eine Gemüsesorte dazu. Mittlerweile achte ich auf eine vollwertige und gesunde Ernährung. Es war also eine extreme Wendung, was sicher auch der Grund ist, weshalb ich für alle Ernährungsformen Verständnis habe.

Als Kind habe ich gar kein Obst und Gemüse gegessen. Meine Mahlzeiten bestanden aus Schnitzel und Pommes oder Salamischnitte mit Ketchup.

Dein absolutes Lieblingsgericht?

Nudeln mit Tomatensoße esse ich richtig gerne!

Darf es auch mal Fast Food sein?

Man soll sich gut fühlen mit dem, was man isst. Klar ist Fast Food nicht gut für unseren Körper, aber, wenn wir es in dem Moment mit Genuss essen, dann ist das auch mal okay. Ich verurteile niemanden, der mal Hunger auf Pommes hat. Aber tendenziell bin ich natürlich Kämpferin für Slow Food.

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Deine Küche in 3 Worten?

Lokal. Liebevoll. Lecker.

Worauf bist du besonders stolz?

Jeden Tag das machen zu können, was ich möchte und ein eigenständiges, selbständiges Leben führen zu können – dafür bin ich sehr dankbar.

Wofür hast du eine besondere Leidenschaft?

Ich liebe es zu Reisen, da ich gerne neue Orte entdecke. Wandern und unterwegs sein gibt mir Kraft.

Warum sollten die Menschen mehr Zug fahren?

Ich liebe es Zug zu fahren! Wenn ich immer mal wieder Auto fahre, kann ich nie verstehen, warum sich das Leute überhaupt antun. Ich finde den öffentlichen Charakter toll und, dass hier jeder aufeinandertrifft. Allgemein bin ich davon überzeugt, dass öffentliche Dinge, die wir gemeinsam nutzen, sehr sinnvoll sind. Ich finde auch, es ist eine entspannte Art des Reisens. Ich setze mich hin, lese ein Buch und mir geht es einfach nur gut.

Was kochst du, wenn Freunde oder Familie zu Besuch sind?

Das, worauf ich gerade Lust habe. Hauptsache frisch!

Manchmal lasse ich einfach das Gemüse zu mir sprechen und schmeiße alles in einen Topf, worauf ich Lust habe.

Wer oder was inspiriert dich?

Auf jeden Fall die Natur und was sie mir zum aktuellen Zeitpunkt zu bieten hat. Außerdem liebe ich es Kochbücher zu lesen und zu verfolgen, was coole Köche wie Jamie Oliver oder Yotam Ottolenghi machen. Auch Kochvideos schaue ich sehr gerne, weil man da das Handwerk direkt sieht. Manchmal lasse aber auch einfach das Gemüse zu mir sprechen und schmeiße alles in einen Topf, worauf ich Lust habe.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich finde, dass Ernährung etwas so Wichtiges ist und ich wünsche mir, dass da viel passiert und es z.B. in Schulen Teil des Unterrichts wird. Mittlerweile geht leider so viel wichtiges Wissen verloren und viele haben gar keinen Kontakt mehr zu Lebensmitteln. Aber gesund Essen ist erlernbar, das kann jeder. Dafür bin ich das beste Beispiel. Diese Freude und Möglichkeit, das zu vermitteln, ist mein Ansatz und Wunsch für die Zukunft.

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Fotos von Anne Schwerin.

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1 Comment

  • Antworten Juni 18, 2018

    werner

    Fastfood ist meines Erachtens auch sowas schmackhaftes wie ein frisches Brot mit Butter – oder sonst einem Aufstrich. Vielleicht noch ein paar frische Radieschen oder Schnittlauch dazu oder drauf.

    Nudeln mit Tomatensauce geht ja auch recht schnell: Spaghettini brauchen nur 5 Minuten im heißen Wasser. Mit einem Mixer oder Pürierstab ist in der Zeit auch eine Tomatensauce machbar.

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