Eat the World-

Kulinarische Stadtführung durch Leipzig

3 Stunden Zeit, 7 Stationen mit Leckerbissen und zum Schluß ein voller Magen, interessante Gespräche und viele neue Eindrücke aus dem eigenen Kiez. All das bekommt man, wenn man einen kulinarisch-kulturellen Stadtrundgang von eat-the world bucht. Letzten Monat waren Steffi und ich auf der Tour durch unser Viertel Plagwitz dabei und haben vorher Franchisenehmerin Ina Thyrolf zum Interview getroffen.

Eat the World

Ina, wie funktioniert das Konzept von eat-the-world?

Die Idee ist, dass man neben den (touristischen) Hotspots Leipzigs Stadtteile kennenlernt. Das was sie so einzigartig macht, ihre Geschichte, vor allem aber die Menschen, die hier leben, ihre Mentalität, ihre Ideen  – all das steckt in der Stadtführung. Über das Essen, das regional sehr unterschiedlich ist, möchte ich die Stadt abseits der alltäglichen Wege zwischen Arbeit und zu Hause erkunden. Ich möchte zeigen, wo Menschen noch mit Herzblut bei der Sache sind, eine tolle Idee haben und unglaublich viel Liebe und Zeit investieren. In Bezug auf die Esskultur erhöht die Ausbreitung verschiedener Ketten nicht nur die Ähnlichkeit vieler großer Städte, sie nimmt den Familienbetrieben ihre Existenzgrundlage weg. Wenn man den Faden weiterspinnt, geht dadurch unsere (Ess)Kultur verloren. Ich möchte mit eat-the-world die Aufgabe übernehmen, kleine inhabergeführte Geschäfte zu unterstützen und die Stadt über das Essen erlebbar zu machen. Und das nicht nur für Gäste, vor allem für die Leipziger.

Wie bist Du zu eat-the-world gekommen?

Eigentlich wie die Jungfrau zum Kinde. Ich war ganz kurzfristig auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk, das ich über Nacht brauchte und habe meine Freundin dafür richtig verflucht. Ich ging dann mit leeren Händen zu ihr und versprach, mit ihr irgendwas gemeinsam zu unternehmen. Dann fiel mir ein Gespräch mit meiner Schwester ein, die mir 3 Jahre zuvor von einer kulinarischen Stadtführung in Berlin erzählt hat. Online habe ich die Tour dann gebucht und wenige Wochen später mit meiner Freundin in Schöneberg gemacht. Ich wusste gar nicht, was uns erwartet und war dann so begeistert, dass ich schon während der Tour überlegt habe, ob so etwas nicht auch in Leipzig geht. Schon mit einer fertigen Route im Kopf bin ich wieder zu Hause gelandet und habe die Idee erst mal sacken lassen. Weihnachten rückte heran und mir wurde über die Feiertage klar, dass ich mich tierisch ärgern würde, wenn im nächsten Jahr jemand anderes eine kulinarische Tour durch Leipzig anbietet. Das war für mich der Anstoß, mich mit den Geschäftsführerinnen in Berlin in Verbindung zu setzen und eat-the-world nach Leipzig zu holen. Hat geklappt: im Mai 2012 ging es mit der ersten Tour in der Südvorstadt los. Plagwitz folgte ein Jahr später. Heute bin ich meiner Freundin dafür sehr dankbar.

Eat te World

Was gefällt Dir besonders an Deinem Job?

Ich mag es sehr, Menschen mitzunehmen an die Orte, an denen ich gern bin. Am Anfang war es natürlich viel Arbeit, sich in die ganzen Hintergründe hineinzufuchsen. Ich bin ja nicht von Haus aus Stadtführerin. Aber man schnappt vieles auf, es macht riesigen Spaß und mittlerweile könnte ich wahrscheinlich 5 Stunden lange Stadtführungen halten, weil ich so viel zu erzählen habe. Da bin ich ganz Leipzigerin: Fragt man einen Leipziger nach dem Weg, bekommt man eine Geschichte zur Antwort. Der Satz stammt aus Bernd-Lutz Langes „Gebrauchsanweisung für Leipzig“. Es ist besonders die Verknüpfung, einerseits die Leute an die Hand zu nehmen und ihnen abseits der normalen Wege Neues zu zeigen, andererseits über die Stadt, in der ich schon immer gelebt habe, zu erzählen und die mir große Freude bereitet. Essen verbindet nun mal und ich mag den Dialog mit den Menschen auf meinen Touren.

Bisher gibt es die Touren für die Südvorstadt und Plagwitz. Hast Du vor in der Zukunft auch weitere Stadtteile anzubieten?

Gedanklich arbeite ich da schon seit letztem Jahr daran. Im Moment bin ich aber viel zu oft noch selbst unterwegs, als dass die neue Tour schon sicher steht. Ich habe da schon mehrere Ideen, besonders im Osten habe ich mich schon etwas genauer umgesehen und habe da vor allem das graphische Viertel im Visier. Bei der Erstellung einer Tour gibt es verschiedene Hürden, die man am Anfang erst mal nicht sieht. Es muss zum Beispiel alles erlaufbar sein und eine gewisse Bandbreite abdecken. Man muss sehr genau schauen, wie die Öffnungszeiten harmonieren und welche Location unsere Idee spannend findet.

Das bringt mich gleich zur nächsten Frage: Nach welchen Kriterien wählst Du die Gastros denn aus?

Als allererstes nach meinem persönlichen Geschmack. Ich futtere mich durch’s Viertel, esse überall und manchmal teste ich noch ein zweites Mal. Dann schaue ich wie die Menschen dort so drauf sind, ob mir der Laden und das Konzept gefallen und spreche mit den Inhabern. Man findet relativ schnell heraus, ob es da eine gemeinsame Basis geben kann.

Eat the World

Ina, was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir vor allem, dass die Leipziger nach wie vor so neugierig bleiben und gern zu unseren Partnern zurück kommen. Ich freue mich sehr, dass die Touren so gut ankommen und wir viele Weiterempfehlungen bekommen. Die Idee ist angekommen, das Konzept geht auf und das macht mich glücklich.

Jetzt kommt wahrscheinlich die schwierigste Frage für Dich: Welches ist Dein Lieblingsrestaurant in Leipzig?

Oh, wo ich gern esse ist wirklich ganz schwer zu beantworten. Es gibt so vieles, wo essen Spaß macht. Ich gehe natürlich von Haus aus sehr viel probieren und nasche mal hier, mal da. Ein richtiges Lieblingsrestaurant habe ich nicht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich inzwischen gern auch einfach mal wieder zu Hause bleibe und selbst koche.

 

The ones who are crazy enough to think they can change the world are the ones that do.

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